
»…dieses Kind gibt mir die Kraft / ich werde den anderen zeigen, was in mir steckt / ich werde ihnen zeigen, dass ich anders bin, als sie denken / ich werde meinen Eltern zeigen, dass ich nicht die bin, für die sie mich halten… «
Eine junge Mutter bietet dem netten Paar von Gegenüber an, ihnen ihren Säugling zu schenken. Eine Tochter weiß nicht, ob sie der Gedanke traurig macht, ihren Vater nie wieder zu sehen. In einer Leichenhalle stellen sich zwei Frauen die Frage, wessen Sohn unter dem weißen Tuch identifiziert werden muss. Während einer Geburt zweifeln die Anwesenden daran, ob die werdende Mutter ihr Kind wirklich zur Welt bringen will. Und ein junger Vater schwört sich, alles besser zu machen als der eigene Vater. Nur kann er nicht wirklich sagen, wie man das macht.
Der Theatermacher Joël Pommerat entwirft in seinem 2006 erschienen Stück »Cet enfant« in zehn Szenen Momentaufnahmen von Familienwelten,die aus dem Lot geraten sind. Zeitlos und jenseits von voyeuristischem Sozialkitsch werden nachvollziehbare und scheinbar banale Konflikte verdichtet und radikalisiert. Manchmal bis zur Explosion, manchmal bis zum tiefsten Schweigen und immer nah am Menschen. Mit einem klaren Blick für die Würde und die Verletzlichkeit jedes Einzelnen werden den ZuschauerInnen Einblicke in die Verhandlungsräume geboten, die unter den Oberflächen jeder Familie lauern und die viel zu oft nicht zur Sprache kommen.
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