
Einfach mal fünf Minuten still sein. Die Stille genießen. Dem Wind im Kornfeld lauschen. Den Vögeln im Geäst und dem Blut in den Adern. Das würde gut tun. Da sind sich die drei Protagonisten einig.
Eine Wohltat das alles – könnten die drei nur fünf Minuten lang die Klappe halten.
Aber das scheint kompliziert, denn es erfordert Einigkeit in einer immer komplexer werdenden Welt.
Also, lieber Fahrrad als Auto, und Auto nur im Notfall und dann höchstens 120 – safety first.
Aber Notfälle gibt es, Haiattacken zum Beispiel, und da ist man noch lange kein Hodenkobold, wenn man mal eine Ausnahme macht. Immerhin verzichtet man aufs Flugzeug, man trägt ja Verantwortung für bald 10 Milliarden Menschen, das ist nicht einfach, das muss man auch mal sagen dürfen.
Man will ja. Sonst will ja niemand. Niemand will ja mehr was lösen, alle wollen nur meckern. Überhaupt – Schuld an allem sind eigentlich die da draußen. Denn die Hölle, das sind bekanntlich die anderen!
Leo Meier, der für sein Debütstück „zwei herren von real madrid“ den Publikumspreis und den SWR2-Hörspielpreis des Heidelberger Stückemarkts 2022 gewann, gelingt ein kleines Wunder.
Mit vermeintlicher Leichtigkeit und befreiendem Humor entwirft Meier ein selbstkritisches absurdes Drama für unsere heutige Zeit. Gibt es ein richtiges Leben im 21. Jahrhundert? Und falls ja, wie sieht es aus?
Wo bleibt der eigene Sinn im Leben, angesichts verheerender Klimakatastrophen und der Verrohung der Gesellschaft? Vielleicht ist es die Poesie, die uns retten wird – oder auch nicht. Das Stück reißt Wunden auf, streut Salz hinein und streicht vorsichtig und sanft heilendes Balsam darauf. (S.Fischer Verlag)
Frederik Leberle
Sabine Christiane Dotzer
Torsten Hermentin