
»Girls & Boys« von Dennis Kelly ist der brillante Monolog einer geistreichen, kämpferischen Frau, Mutter zweier heranwachsender Kinder, die sich aus einfachsten Verhältnissen aus eigener Kraft beruflich und sozial nach oben gearbeitet hat.
Nach wenigen, eher öden Männerbeziehungen und einer wüsten sexuellen Sturm- und Drang-Phase, verliebt sie sich in der Warteschlange des Easy-Jet-Schalters am Flughafen in einen erst nicht sonderlich attraktiv wirken-
den Mann, der ihr aber in seiner hinreißenden, abgründigen Schlagfertigkeit ebenbürtig erscheint. Gemeinsam starten sie in ein neues Leben, anfangs zärtlich, beruflich eigenständig, scheinbar gleichberechtigt und mit äußerst
agilem Nachwuchs. Auffällig nur, dass die kleine Lina schon Baupläne für New Yorker Wolkenkratzer entwirft, während Sohn Benni vorwiegend an deren Zerstörung interessiert ist - Girls & Boys eben?
Kurz vor der weltweiten »Me too«-Debatte geschrieben, beleuchtet Kelly in seinem Stück vieles, was das Geschlechterverhältnis so kompliziert macht und was fast unmöglich aufzulösen scheint. Was bedeutet es, dass unsere Gesellschaft von Männern für Männer errichtet wurde? Kann es echte Gleichberechtigung überhaupt geben? Wann endet »toxische Männlichkeit« in der Katastrophe?
Wie immer gelingt es Kelly hier, seine Themen nicht bierernst, moralinsauer oder tränenreich zu verhandeln. Seine Protagonistin hat einen ebenso sarkastischen wie liebevollen Witz, agiert so herzzerreißend komisch - und
manchmal überfordert - mit ihren Kindern, ist so frei von Selbstmitleid, erzählt so präzise, trocken, aufrichtig, überraschend, unnachahmlich von ihrem Schicksal, dass man gar nicht anders kann, als sie lachend ins Herz zu schließen. Bis ihre Geschichte einem den Atem abschnürt und viele Fragen aufwirft, die einen lange nicht mehr loslassen werden...
StZ: »Die Schlagkraft, die diese minimalistische Inszenierung im Laufe ihrer gut neunzig Minuten entwickelt, ist enorm. (...) Sabine Fürst trägt meisterhaft durch die Geschichte ihrer Figur. Von den leichten, herrlich verträumten Episoden der ersten Liebe über die liebevollen Rückblicke auf ihre beiden Kinder bis hin zu den bitteren Abgründen der brutalen Verbrechen spielt sie mit großer Anziehungskraft.« Sabine Fischer
Rechte: Rowohlt Theater Verlag