
Wie soll man erzählen? Wie beginnen, wenn man noch mittendrin steckt in einer Geschichte?
»Komm schnell.« Ein Anruf seines Bruders treibt Wahab nach draußen ins Schneegestöber. Der meckernde Busfahrer macht einen wahnsinnig vor Wut.
Dem fetten Weihnachtsmann, dessen Auto im Schnee feststeckt, ist nicht zu helfen. Doch der Weg zum Krankenhaus, in dem Wahabs Mutter im Sterben liegt, wird mehr und mehr zu einer Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit: der Erinnerung an einen gescheiterten Aufbruch mit vierzehn, an ein Mädchen, das ihm ihr Schweigen als Waffe schenkt und an das fürchterliche Ereignis während seiner Kindheit im Bürgerkriegsland. Brutal und zart zugleich beschreibt Wajdi Mouawad in dem 2003 uraufgeführten Stück das Ende einer
Kindheit. Erst durch die Abbildung des Erlebten mit Hilfe der Malerei gelingt es dem Erzähler, das Chaos im Kopf zu ordnen.
Erst durch die Abbildung des Erlebten mit Hilfe der Malerei gelingt es dem Erzähler, das Chaos im Kopf zu ordnen. So ist das moderne Portrait des Künstlers als junger Mann auch ein Plädoyer für die Kraft der Kunst.
Letztes Jahr, am 20. September 2020, sollte im Staatstheater Stuttgart zum ersten Mal der Europäische Dramatiker*innen Preis verliehen werden. Leider musste die Preisverleihung auf unbestimmte Zeit verschoben werden, da die Preisträger wegen der verschärften Ein-und Ausreisebedingungen in dieser besonderen Zeit nicht einreisen konnten. Die Preisträger: Wajdi Mouawad (Hauptpreis) und Jasmine Lee-Jones (Nachwuchs-dramatiker*innen Preis). Für diesen Anlass und in Kooperation mit Schauspiel Stuttgart erarbeitete
Christof Küster eine szenische Lesung des Textes von Wajdi Mouawad »Im Herzen tickt eine Bombe«, die beim Publikum so großen Anklang fand, dass wir uns entschlossen haben, aus der Lesung nun eine vollständige Inszenierung zu machen.