
»Hallo Ulli! Gestern habe ich deinen Tortenboden gebacken, und möchte dir heute ein großes Lob aussprechen. – Hallo liebe Greta, das freut mich das Dir der Tortenboden so gut gelungen ist.«
So freundlich, hilfsbereit und auch sprachlich schludrig geht es zu in Deutschlands Foren. Überall gibt es Fragen, Antworten, Bewertungen und Gleichgesinnte.
Unsere April-Premiere »Well.netz« greift den Jargon der Foren auf und erzählt Geschichten des virtuellen Deutschland vor dem Hintergrund einer Wellness-Oase: alltäglich, skurril, authentisch und vor allem herrlich banal.
Eine verunsicherte Gesellschaft sucht sich Antworten dort, wo man sich anonym fühlt, obwohl jeder inzwischen weiß, dass man es nicht ist: im Internet.
Grundlage des Theaterabends sind Meinungen, Bewertungen und Tipps aus Deutschlands Foren. Auf jede Frage gibt es eine Antwort, kein Problem, was andere nicht auch schon hatten. Das virtuelle Netzwerk wird zum Ersatz leibhaftigen Austauschs. In den Communities findet man Heimat, wird begrüßt, wenn man neu ist, neugierig beäugt, für gut befunden oder – im schlimmsten Fall – gesperrt.
Ob es um das richtige Einmachglas, den entspanntesten Urlaub oder politische Statements geht: Je individueller das Thema, desto liebevoller wird der Ton der Community. Auf der anderen Seite des Netzes stehen die Nörgler und Wichtigtuer oder die Ewiggestrigen. Vier SchauspielerInnen (zwei Paare) plus Spielleiter machen sich auf die Suche nach »Heimat« in den Foren ihrer Wahl und suchen nach virtuellen Freundschaftsbanden. Ein Bilderbogen aus Themen und Geschichten, real dem Internet entnommen, dargeboten als Kammerspiel im Wellness-Bereich.
Das Studio Theater setzt mit diesem Projekt nach der »Helmut-Kohl- Revue« und der »Schlichtung« die Untersuchung aktueller Stoffe fort und überprüft die Sprache von Internetforen auf ihre theatralische Relevanz.
gefördet vom
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Baden-Württemberg